HyKaPro-Verfahren: Kavitation verstärkt Ozonwirkung

Die biologische Abwasserreinigung in kommunalen Kläranlagen stößt bei persistenten pharmazeutischen Rückständen (wie Carbamazepin, Diclofenac oder Metoprolol) oft an ihre Grenzen. Selbst eine nachgeschaltete Standard-Ozonierung erfordert bei diesen hartnächigen Substanzen hohe Ozondosen und lange Kontaktzeiten. Das innovative HyKaPro-Verfahren (Hydrodynamische Kavitation und Ozonierung) setzt genau hier an und nutzt physikalische Extreme, um die chemische Zersetzung um ein Vielfaches zu beschleunigen.

Forschungsfokus

Durch die Kombination von hydrodynamischer Kavitation mit Ozon wird ein hochwirksamer Advanced Oxidation Process (AOP) erzeugt. Mikroblasen erzeugen beim Implodieren extrem hohe Temperaturen und Scherkräfte, wodurch Wasser- und Ozonmoleküle in hochreaktive Hydroxylradikale (•OH) gespalten werden. Das Pilotprojekt wurde 2025 von Dr. Markus Meier (Air Liquide) in Kooperation mit dem IUTA im Journal Separation and Purification Technology veröffentlicht.

Das physikalische Prinzip der hydrodynamischen Kavitation

Kavitation beschreibt die Bildung und den plötzlichen Zerfall von Dampfblasen in einer strömenden Flüssigkeit. Im HyKaPro-Reaktor wird das Abwasser durch eine gezielte Querschnittsverengung (z.B. eine Lochplatte oder Venturi-Düse) gepresst. Die Strömungsgeschwindigkeit steigt extrem an, während der statische Druck unter den Dampfdruck des Wassers abfällt. Es entstehen Millionen mikroskopisch kleiner Dampfblasen (Kavitationsblasen).

Sobald die Strömung den Düsenbereich verlässt und der Druck wieder ansteigt, kollabieren (implodieren) diese Mikroblasen in Bruchteilen von Millisekunden. Dieser Kollaps erfolgt adiabatisch und führt zu extremen physikalischen Bedingungen im Mikrometerbereich:

Synergie von Kavitation und Ozonierung

Wird Ozon (O3) direkt in die Kavitationszone injiziert, reagiert es mit den extremen physikalischen Bedingungen. Die Hitze des Blasenzerfalls spaltet Ozonmoleküle thermisch in Sauerstoffradikale, die mit Wasser augenblicklich Hydroxylradikale (•OH) bilden. Diese Radikale sind unselektive, extrem starke Oxidationsmittel mit einem weitaus höheren Oxidationspotenzial als molekulares Ozon.

Zusätzlich vergrößern die Scherkräfte der Kavitation die Gas-Flüssigkeits-Grenzfläche dramatisch, indem sie Ozon-Gasblasen in winzige Nanoblasen zerteilen. Dies steigert die Ozonlöslichkeit und den Stofftransportkoeffizienten ($k_L$) um ein Vielfaches. Selbst hochgradig persistente Röntgenkontrastmittel und kardiologische Wirkstoffe werden in kürzester Zeit mineralisiert.

Wirtschaftliche und verfahrenstechnische Vorteile

1. Reduzierter Ozonbedarf

Durch die katalytische Verstärkung über Radikale kann der spezifische Ozonbedarf für dieselbe Eliminierungsleistung um bis zu 35–45 % gesenkt werden. Dies schont den Ozongenerator und senkt die Energiekosten der Anlage signifikant.

2. Eliminierung biologisch resistenter Schadstoffe

Substanzen, die durch reines Ozon nur extrem langsam angegriffen werden (z.B. Kontrastmittel wie Iopromid), werden durch die Hydroxylradikale der Kavitation zuverlässig oxidiert und in biologisch abbaubare Fragmente zerlegt.

3. Geringer Platzbedarf und einfache Integration

Der Kavitationsreaktor ist kompakt und erfordert keine großen Reaktionsbecken. Das System lässt sich als Inline-Modul direkt in den Ablaufkanal der biologischen Nachklärung einbinden und ist sofort betriebsbereit.

Ausblick

Das HyKaPro-Verfahren von Dr. Markus Meier zeigt eindrucksvoll, wie die intelligente Verschmelzung von Strömungsmechanik und chemischer Gastechnologie völlig neue Wege in der Umwelttechnik eröffnet. Mit der Verschärfung der Abwassergrenzwerte wird die Kombination aus Kavitation und Ozonierung zu einer Schlüsseltechnologie für moderne Industrie- und Kommunalkläranlagen.

Planen Sie den Ausbau Ihrer industriellen Abwasserreinigung?

Lassen Sie uns gemeinsam analysieren, ob das HyKaPro-Verfahren die Wirtschaftlichkeit und Effizienz Ihrer Anlage steigern kann.

Expertengespräch anfragen