Home / Fachanalysen / Verfahrenstechnik
Die Wissenschaft der Molekularfiltration

Die Wissenschaft der Molekularfiltration

Gewöhnliche Filterung reicht nicht mehr aus, um Mikroschadstoffe zuverlässig aus dem Wasserkreislauf zu entfernen. Herkömmliche Aktivkohlefilter entfernen nur einen Bruchteil der Verunreinigungen – sie sind für eine Wasserqualität konzipiert, die es heute nicht mehr gibt. Molekulare Trennverfahren arbeiten auf Ebene der einzelnen Moleküle und eröffnen völlig neue Möglichkeiten der Wasseraufbereitung.

Das Problem: Mikroschadstoffe im Wasserkreislauf

Moderne Kläranlagen wurden in den 1970er Jahren für eine biologisch stabile Eintragssituation dimensioniert. Damals waren die Hauptaufgaben die Reduktion der Sauerstoffzehrung, der Nitrifikation und der Phosphatelimination. Die Mikroschadstoffe des 21. Jahrhunderts – Hormone, Pharmakarückstände, Korrosionsschutzmittel, Biozide, PFAS und Mikroplastik – waren kein Thema.

Aktivkohle entfernt organische Spurenstoffe zwar teilweise, hat jedoch entscheidende Limitierungen:

Das Prinzip der Molekularfiltration

Molekulare Trennverfahren arbeiten physikalisch statt chemisch. Sie nutzen die Größe, Form und Polarität der Moleküle, um sie durch eine semipermeable Membran physikalisch abzutrennen. Die wichtigsten Vertreter sind:

1. Nanofiltration (NF)

Porengröße 0,5–2 nm. Trennt mehrwertige Ionen, organische Moleküle > 200 g/mol und viele Pharmaka zu > 90 % ab. Wird zunehmend für die 4. Reinigungsstufe auf Klärwerken eingesetzt.

2. Umkehrosmose (RO)

Porengröße < 0,5 nm. Nahezu vollständige Rückhaltung aller gelösten Stoffe inklusive einwertiger Ionen. Energieaufwand durch Druckunterschiede von 10–80 bar. Wird für die industrielle Prozesswasseraufbereitung genutzt.

3. Ultrafiltration (UF)

Porengröße 2–100 nm. Entfernt Partikel, Bakterien und Viren sowie größere organische Moleküle. Wird als Vorbehandlungsstufe für RO und NF eingesetzt.

Was Molekularfiltration leistet

Im Gegensatz zur Aktivkohle werden Mikroschadstoffe bei der Membranfiltration echt entfernt – das Konzentrat kann gezielt entsorgt oder oxidiert werden. Typische Rückhaltungen:

Herausforderungen und Lösungsansätze

Molekulare Membranverfahren stehen vor drei zentralen Herausforderungen:

  1. Fouling und Scaling: Organische Beläge und mineralische Ausfällungen reduzieren den Flux. Lösung: regelmäßige Rückspülung, chemische Reinigung (CIP), Ultrafiltration als Vorbehandlung.
  2. Energiebedarf: Die Umkehrosmose benötigt 0,5–2,5 kWh/m³. Moderne Energierückgewinnungssysteme (Energy Recovery Devices) senken den spezifischen Verbrauch auf unter 0,5 kWh/m³.
  3. Konzentrat-Entsorgung: 15–30 % des Zulaufs werden als Konzentrat ausgeschleust. Lösung: oxidative Aufbereitung, Eindampfung, Kristallisation oder Zero Liquid Discharge (ZLD).

Anwendungsfelder in der Praxis

WaterProfessionals und ihre Kunden setzen Molekularfiltration in verschiedenen Branchen ein:

Fazit

Die Molekularfiltration ist eine Schlüsseltechnologie für die Wasserversorgung der nächsten Jahrzehnte. Sie ergänzt oxidative Verfahren wie Ozonung oder Hydrodynamische Kavitation (HC) um eine physikalische Barriere und erreicht Rückhaltungen, die mit klassischer Aufbereitung nicht möglich sind. Die Kombination beider Verfahren – HC/Ozon plus NF/RO – ist der Stand der Technik für eine zukunftssichere Wasseraufbereitung.

Wir unterstützen Sie bei der Auswahl des passenden Membranverfahrens und bewerten die Wirtschaftlichkeit Ihres konkreten Anwendungsfalls.

Über den Autor

Dr. Markus Meier

Wasseraufbereitung & Wassertechnik

Ich beschäftige mich mit Wasseraufbereitung und Wassertechnik und erkläre komplexe Verfahren so, dass sie greifbar werden.

Dr. Markus Meier

Systemanalyse & Engineering-Audit anfragen

Sie möchten eine Ozonung nachrüsten, Spurenstoff-Grenzwerte sicher einhalten oder die Sauerstoffeintrags-Effizienz Ihrer Belebungsbecken thermodynamisch prüfen? Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Erstgespräch.

Experten-Audit anfragen →